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Mondmystik

Auch wenn wir heute sehr viele wissenschaftliche Erkenntnisse über den Mond bzw. die Mondin (da mystisch allgemeinhin weiblich gesehen, bleibe ich hier bei der Form) besitzen, wirkt sie doch immer noch geheimnisvoll auf uns Menschen. Das Lunare, Unterbewußte – früher ganz selbstverständlich ins alltägliche Leben miteingebunden, da die Beobachtung von Wirkungen Beweis genug war – kommt zum Vorschein.

Merkwürdig muß es den Leuten früher vorgekommen sein, daß dieser Himmelskörper mal ab-, mal zunahm und mitunter auch ganz vom Firmament verschwunden schien! Doch das Wissen um den Einfluß der Mondin auf z. B. die Fruchtbarkeit der Frau (deren Zyklus sich ja im Einklang mit ihr abspielt) und Aspekte der landwirtschaftlichen Arbeit, ließ die Menschen verschiedene göttliche Gesichter in den einzelnen Phasen erkennen.

Die Neumondin, auch die zunehmende Mondin, stellen das Kind oder die Jungfrau dar. Eine aufblühende junge Mädchengestalt, deren Sexualität erwacht. Verführerisches Gesicht der Göttin.

Die Vollmondin ist die Frau mitten im Leben. Fruchtbare Mutter, die neues Leben in sich trägt und auf die Welt bringt.

Die abnehmende Mondin symbolisiert die alte weise Frau, auch Hexe. Sie gibt ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter.

Wohl in so gut wie allen alten Kulturen gab es Mondgöttinnen, die entweder die verschiedenen eben erläuterten Aspekte in sich trugen bzw. sie durch unterschiedliche Gottheiten verkörperten. Luna, Diana, Selene oder Hekate seien hier aufgeführt, um nur mal die bekanntesten Mondgöttinnen der Römer bzw. Griechen zu nennen. (Wie an anderer Stelle auf dieser HP schon beschrieben, mache ich mir wenig aus Personifizierungen, deswegen stoppe ich hier!)

Noch ein Zeitsprung weiter in die Vergangenheit! Das Zeichen der Mondin und der Mondgöttin war in den Ur-Religionen das Horn aufgrund seiner Ähnlichkeit mit der Mondsichel. Priesterinnen trugen es als Symbol mit sich, das weiß man durch Höhlenmalereien an verschiedenen Orten Europas. Jahrtausende lang wurde diese Tradition aufrechterhalten, bis die alten Religionen mit dem Christentum kollidierten. Das Horn wurde auf einmal Ausdruck des Bösen, Schlechten und wurde zum Inbegriff des Teufels deklariert.

Daß die Mondin im Zuge der Christianisierung weiterhin als schlecht angesehen wurde, läßt sich ebenso in Volksmärchen ablesen (auch wenn die erst später schriftlich festgehalten wurden, entwickelten sich die Geschichten und in ihnen innewohnenden Gedanken ja doch über einen langen Zeitraum hinweg). Beispiel: die böse dreizehnte Fee bei Dornröschen, die für den dreizehnten Vollmond im Jahr steht. Die Menschen wollten lieber vom zwölfmonatigen “Sonnenjahr” ausgehen. Eigentlich alles, was mit der Dreizehn als uns bekannte Pechzahl zu tun hat, basiert auf dem Mond. Andererseits “verpackten” Anhänger des Alten Weges ihre Weisheiten auch in Märchenform, um sie so zu überliefern. So sind oftmals Fische – als Wassertiere stellvertretend für das lunare, intuitive Wissen – gute Ratgeber für die Protagonisten.