Mabon
21. Sepember
Mabon ist ein Sonnenfest und wird gekennzeichnet durch die Herbst-Tagundnachtgleiche, das heißt zu diesem Zeitpunkt haben Tag und Nacht die gleiche Länge. Im Moment ist alles im Gleichgewicht, was auch durch das nun vorherrschende Sonnenzeichen, nämlich Waage, symbolisiert wird.
Ebenso wie das im Jahreskreis vorhergehende Lammas (1. August) hat Mabon den Erntedank zum Thema und wird von den meisten als die letzte Feier des Hexenjahres betrachtet. Im Christentum beginnt ebenfalls die Zeit des Erntedanks, wofür so einige frühere Bräuche übernommen wurden. Logisch, denn einerseits ist es für eine “neue” Religion immer gut, Althergebrachtes zu adaptieren, um die Akzeptanz zu erhöhen; andererseits ist Erntedank/Dank an die Erdgötter in wohl jeder Religion ein wichtiges Thema.
In der Natur ist es deutlich zu spüren: der Sommer ist endgültig vorbei, laut unserem heutigen Kalender beginnt der Herbst. Die Ernte ist vollständig eingefahren, Blätter färben sich, gelbe Stoppelfelder leuchten im herbstlichen Sonnenlicht, und die Zugvögel sammeln sich. Es werden Vorbereitungen für den Winter getroffen. Man kuschelt sich abends gemütlich aufs Sofa, zündet den Ofen oder Kerzen an, denn die Dunkelheit gewinnt in der kommenden Zeit wieder an Oberhand. Wir danken für alles Gute in diesem Jahr.
Es ist eine gute Zeit, um eine persönliche Bilanz für das vergangene Jahr zu ziehen. Was hat man erreicht, welche Arbeiten sind abgeschlossen, welche möchte man überhaupt noch weiterführen? Über den Herbst hinweg hat man genug Zeit, neue Projekte für das kommende Jahr zu planen.
Ich habe manchmal den Eindruck, daß Mabon als weniger interessant oder als nicht so wichtig erachtet wird. Dabei hat diese Zeit etwas ganz Eigenes, fast Verwunschenes. Das Element Wasser und die Tageszeit der Abenddämmerung, die für mich dem Herbst zugeordnet sind, vermitteln einen leisen ruhigen Fluß; gleichzeitig fühlt man sich manchmal auch etwas außerhalb der Zeit. Wenn dann allerdings ein ordentlicher Herbststurm übers Haus hinwegfegt, denkt man unweigerlich anders und Samhain rückt gedanklich näher!
Historisch gesehen hat die Bezeichnung “Mabon” übrigens keinen nachweisbaren Hintergrund, sondern taucht schriftlich zuerst bei dem amerikanischen Autor Aidan Kelly (schrieb u.a. die Geschichte der Gründung Wiccas durch Gardner) in den 70er Jahren auf. Die walisische Sagengestalt Mabon war hierfür wahrscheinlich Vorbild.